Dieter Fricke

art-lightpainting - Das sichtbare Unsichtbare

Lightwriting

Seit 2010 experimentiere ich mit Lichteffekten in der Fotografie.Ich agiere bei der Erstellung dieser Fotografien vollkommen schwarz bekleidet vor schwarzem Hintergrund in einem abgedunkelten Raum. In einer Hand oder in beiden Händen halte ich lange Stablampe oder Arbeitslampe, wie sie z.B. KFZ-Mechaniker benutzen. Mit beiden Lampen „zeichne“ ich den Bewegungsfluss der Hände beim Gebärden von Worten / Sätzen in den Raum. Wir benutzen Taschenlampen, Arbeitslampen, blinkende LED-Leuchten u.a. teilweise mit elektrischen Strom per Kabel, jen nachdem wie flexibel wir sein müssen bei der Bildgestaltung. Die dritte Generation meiner Bilder zur Thematik Gebärdensprache-Abstraktion und das sichtbare Unsichtbare-Malerei geht einen Schritt weiter als die erste und zweite. Konnte man in der ersten Generation noch den Bewegungsfluss der Hände beim Gebärden von Worten, Sätzen oder gar kurzen Texten nachvollziehen und die Inhalte zum Teil “ablesen”, so handelt es sich bei meinen neuesten Bildern nun um absolute Abstraktionen. Nichts lässt sich mehr mit Bekanntem in Verbindung bringen. Ich vergleiche diese Bilder mit Worten, Sätzen und Texten, die sozusagen in der Luft hängen bleiben. Hörende, die Gehörlosen beim Gebärden beobachten, können deren Unterhaltung nicht folgen, solange sie die Gebärdensprache nicht beherrschen, D.h., das, was die Hörenden von der Unterhaltung der Gehörlosen verfolgen, bleibt ihnen unverständlich; die Worte verschwinden vor ihren Augen in der Luft, sobald sie gebärdet wurden. Umgekehrt verhält es sich ebenso. Gehörlose, wenn sie die Mundbewegungen der Hörenden beobachten, können deren Worte auch nur dann einigermaßen verstehen, wenn sie die Lippenlesen gelernt haben. Besonders kleine, gehörlose Kinder können die gesprochene Worte von Hörenden nicht verstehen, auch für sie bleibt das Gesagte der Hörenden in der Luft hängen. All diese unverstandenen, weil in der Luft verschwunden oder verhallte Worte habe ich in meinen neuesten Werken mit meinen Farben und Formen “sichtbar” gemacht. Ich weiß, das klingt schwer verständlich, aber es drückt in etwa das aus, was ich beim Malen meiner jüngsten Werke empfunden habe.
Dieter Fricke, 2010

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